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Klaviatur einbauen

Steyr 288: Klaviatur/Steuereinheiten an den Zylinderköpfen montiertEigentlich dachte ich, dass es bei der Montage der Kalviatur des Steyr 288 keine Probleme geben dürfte - dachte ich halt und "Denken" und "Wissen" sind bekanntlich zwei unterschiedliche Begriffe! Bevor man die beiden "Steuerungseinheiten" anbringen kann, müssen zunächst die Ventilstösseln (gut eingeölt) und die Stösselstangen eingeschoben werden.

Um die Klaviatur richtig zu befestigen sind neben den Stiftschrauben, welche ich ersetzt habe, auch die richtigen Spannhülsen (6x12mm, Nr. 37) und Dichtringe (7,3x2,4mm, Nr. 8) notwendig. Natürlich sollte man diese ebenfalls durch Neuteile ersetzen! Die Lagerböcke werden mit selbstsichernden Muttern verschraubt. Ich habe mich hier wieder für Ausführungen mit metallener Sicherung - also Muttern ohne den heute üblichen Nylonringen - entschieden.

Steyr 288: Ventilstössel und Stösselstangen eingeschobenSteyr 288: Ventilstössel und Stösselstangen eingeschobenSteyr 288: Ventilstössel und Stösselstangen eingeschobenSteyr 288: Stiftschrauben für die Klaviatur eingeschraubtSteyr 288: eingesetzter Dichtring für das Ölführungsrohr

Zunächst habe ich die Stiftschrauben in die Zylinderköpfe eingeschraubt auf denen die Lagerböcke der Einheiten befestigt werden. Beim "Einfädeln" der Steuerungseinheit ergab sich dann das erste Problem: je zwei Stiftschrauben wollten nicht durch die Bohrungen im Lagerbock! Wenn man sich die Bilder genau ansieht, erkennt man, dass die Welle der Einheit, je nach Stellung, die Bohrung teilweise blockiert. Verdreht man Welle zu Kipphebel/Lagerböcke um 180° ist die Bohrung frei - allerding zeigen die Kipphebel/Lagerböcke dann in die falsche Richtung. Das Problem entsteht, wenn man die Kipphebel und die Lagerböcke beim Zusammenbau der Kalviatur verkehrt auf die Achse schiebt. Hab ich natürlich gleich zweimal geschafft! Also musste ich die Steuereinheiten nochmals zerlegen und "verkehrt herum" wieder zusammensetzen.

Steyr 288: Welle blockiert die BohrungSteyr 288: Welle um 180° gedreht - Bohrung ist frei

Beim Recherchieren des obigen Problems u.a. im Ersatzteilverzeichnis (wo die Klaviatur gemeinsam mit den Zylinderköpfen dargestellt wird, ist mir aufgefallen, dass es hier zwei fast dreickige Scheiben (Nr. 20) gibt oder gab, die mir beim Zerlegen nie unter gekommen sind. Auch konnte ich in der Explosionszeichnung nicht genau erkennen, wo diese anzubringen sind. Eher zufällig habe ich die Kiste mit den Kleinteilen (originale Stiftschrauben der Zylinderkopfverschraubung waren auch dabei), die mir mit den zweiten Zylinderkopf-Paar mitgeschickt wurde, durchforstet und siehe da - hier waren die beiden Scheiben mit dabei.

Steyr 288: Explosionszeichnung Zylinderkopf und Klaviatur (© Verwüster Motorbooks Verlag)

Nach mehreren Minuten des Vergleichens und Anhalten der Scheiben ist mir dann das sprichwörtliche "Licht" aufgegangen! Die Scheiben gehören mit den beiden linken, inneren Zylinderkopfschrauben (blaue Pfeile) mitverschraubt und dienen offensichtlich "nur" dazu, den erwähnten Dichtring (Nr. 8, roter Pfeil) - der das Ölführungsrohr (Nr. 28) zur Klaviatur zum Zylinderkopf abdichtet - an der korrekten Position zu halten. In anderen Worten: die (fast) dreieckigen Scheiben verhindern, dass der Dichtring nach oben am Rohr entlang rutscht.

Steyr 288: SIcherungsblech für DichtringSteyr 288: Dichtring für das Ölführungsrohr zur Klaviatur

Nun war guter Rat teuer! Um die Scheiben einzubauen, hätte ich die Zylinderköpfe bzw. die Zylinderkopfschrauben nochmals demontieren müssen. Dies hätte natürlich auch bedeutet, diese nachher durch neue Schrauben ersetzen zu müssen! Zur Erinnerung: Zylinderkopfschrauben sind Dehnschrauben - beim Anziehen werden sie über die Streckgrenze hinaus gedehnt und gerade bei Zylinderköpfen, sollte/darf man sie nicht nochmals verwenden! Nicht so prickelnd! Irgendwann ist mir dann eingefallen, dass mir beim Zerlegen meines Originalmotors (Zylinderköpfe bereits mit Sechskantschrauben montiert) zwei kleine Röhrchen aufgefallen waren, dessen Funktion mir damals ebenfalls nicht ersichtich war. Diese hatte ich natürlich noch. Nachdem ich diese genauer inspiziert hatte, wurde mir klar, dass diese über die Ölführungsrohre der Klaviatur geschoben wurden und damit den Dichtring an Ort und Stelle gehalten haben. Klar war aber auch, dass diese Röhrchen von irgendeiner Stangenware "abgebissen" wurden - sie hatten schiefe, scharfkantige Stirnflächen, was für einen Dichtring wohl nicht optimal ist und auch der Außen- und Innendurchmesser war nicht optimal.

Stellt sich die Frage nach dem "Warum": Warum hat irgendwer, irgendwann die originalen Scheiben durch die Röhrchen ersetzt?

Dazu sind mir folgende Ideen (wer Anderes vermutet oder weiß, bitte in den Kommentaren verewigen) gekommen:

Wenn man die Scheiben mit den Zylinderkopfschrauben montiert, werden die Dichtringe bereits etwas gequetscht. Es verringert sich also der Innendurchmesser, wodurch das Einführen des eigentlichen Ölführungsrohrs der Klaviatur erschwert wird; ev. wird der Dichtring bereits beschädigt, wenn man nicht behutsam vorgeht.

Die Scheiben sind 4mm stark. Das bedeutet, dass die beiden Zylinderkopfschrauben, mit denen die Scheiben mitgeschraubt werden genau um dieses 4mm weniger tief in die Gewindebohrungen des Motorgehäuses eingreifen als die restlichen Zylinderkopfschrauben. Man baut hier also bewußt eine Art Ungleichgewicht zwischen den Zylinderkopfschrauben des Zylinderkopfes ein - etwas, dass bei Zylinderköpfen eigentlich nie passieren sollte! Früher war das vielleicht kein Problem, da ja ursprünglich statt Zylinderkopfschrauben Stiftschrauben verwendet wurden. Die Stiftschrauben wurden alle gleich tief in den Motorblock eingeschraubt und an der Oberseite mit Muttern festgezogen. Bei den Stiftschrauben, die durch die Scheiben geführt wurden, war der Überstand der Stiftschraube oberhalb der Mutter um die 4mm geringer, als bei den anderen Stiftschrauben, was kein Problem für die Gleichmäßigkeit darstellte. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, dass die (neuen) Zylinderkopfschrauben kürzer sind, als die ursprünglichen Stiftschrauben; der Schaft am unteren Ende der Stiftschraube fehlt komplett!

Steyr 288: Zylinderkopfschraube und Stiftschraube für Zylinderkopf im Vergleich

Ich habe also zwei Hülse gedreht, deren Maße exakt an die jeweiligen Gegebenheiten der Ölführungsrohre angepasst sind. Die Hülsen haben eine Außendurchmesser von 12mm und decken somit nicht nur den Dichtring komplett ab, sondern stehen auch auf der Fläche des Zylinderkopfs auf. Die Höhe ist so gewählt, dass sich die Hülse auch bei festgezogener Kalviatur spielfrei drehen lässt.

Steyr 288: Klaviatur mit aufgesetzer Hülse am ÖlführungsrohrSteyr 288: fertig montierte Klaviatur/SteuereinheitSteyr 288: fertig montierte Klaviatur/SteuereinheitSteyr 288: fertig montierte Klaviatur/SteuereinheitSteyr 288: fertig montierte Klaviatur/SteuereinheitSteyr 288: fertig montierte Klaviatur/Steuereinheit mit Hülse für das Ölführungsrohr

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