Ein beliebtes Ärgernis bei unseren Oldtimer, ist der stete Ölverlust an den unterschiedlichsten Stellen. In vielen Fällen liegt dies an der Abdichtung von (rotierenden) Wellen, die aus einem mit Öl gefüllten Gehäuse geführt werden. Diese Wellen werden typischerweise mit einem Radial-Wellendichtring - manchmal auch als Simmerring bezeichnet - abgedichtet.
Der Simmer-Ring wurde nach seinem Erfinder Walther Simmer benannt - einem österreichischen Ingenieur.
Über die Jahre werden diese Wellendichtringe (WDR) leider undicht und es tritt Öl aus, welches dann die von uns so geschätzten Ölflecken unter dem Traktor produziert. Abhilfe schafft hier nur der Austausch des schadhaften Wellendichtrings.
Damit die Wellendurchführung wieder dicht wird, ist auf einige Punkte bedacht zu nehmen, welche nachfolgend beschrieben werden:
- Schon der Ausbau des alten WDR kann eine Herausforderung darstellen, sitzt dieser oft "bombenfest" im Gehäuse. Beim Entfernen muss man unbedingt darauf achten, den Sitz im Gehäuse nicht zu beschädigen. Besonders mit als Hebel eingesetzten Schraubendrehern können an den Dichtflächen im Gehäuse tiefe Kratzer entstehen.
- Die Dichtfläche im Gehäuse, an der später die Außenseite des Wellendichtrings anliegt, muss penibel gereinigt werden.
- Der neue WDR muss perfekt in das Gehäuse eingesetzt werden. Jede noch so kleine Schrägstellung führt unweigerlich zu neuen Undichtigkeiten.
Es stellt sich die Frage, wie man hier am besten vorgeht?
- Zunächst muss beachtet werden, dass die "Ölseite"/"Druckseite" des WDR - das ist jene Seite, an der die Feder sichtbar ist - nach dem Einbau auch tatsächlich Richtung dem Ölbad zeigt.
- Der WDR selbst muss mit etwas Kraftaufwand eingesetzt werden - er soll ja auch gegen das Gehäuse dichten. Dafür wird oft ein Hammer mit einem passenden Schlagstück - z.b. eine Nuss vom Steckschlüsselsatz - verwendet.
Ich sehe hier mehrere Probleme:
- Durch den Hammer wird die Kraft kurzfristig und oftmals nicht mittig bzw. zentriert übertragen - der WDR verkantet und wird dabei schon leicht verbogen.
- Die Nuss passt oft nicht exakt - die Kraft wird nicht (nur) auf den Rand des WDR ausgeübt, die Dichtlippe wird bereits leicht beschädigt.
Für mich hat sich folgende Vorgangsweise bewährt:
- Für den Wellendichtring wird ein passender Zylinder für die Montage gesucht. Wenn notwendig wird dieser an der Drehmaschine auf Maß gefertigt, ev. inklusive passenden Profil zur Schonung der Dichtlippe.
- Die Dichtfläche am Gehäuse bzw. die Außenseite am Wellendichtring leicht einzufetten hilft bei der Montage.
- Zur Montage wird eine Werkstattpresse verwendet. Zunächst wird der WDR korrekt aufgesetzt, dann darauf der Montagezylinder. Dieser wird dann mit der Presse kontinuierlich mit Kraft beaufschlagt. Das eigentliche Einpressen funktioniert dann mit geringem Kraftaufwand - beobachtet man das Manometer auf der Presse, bemerkt man kaum einen Zeigerausschlag. Erst wenn der WDR am Anschlag (sofern vorhanden) ansteht, steigt der Druck sofort an - ein weiteres Einpressen würde den WDR aber klarerweise nur beschädigen.
Nicht vergessen sollte man, dass auch die durch den Wellendichtring geführte Welle ihren Anteil zur Dichtheit hat. Ist diese nicht (mehr) perfekt rund oder hat diese Unebenheiten an der Dichtstelle, dann wird es niemals dicht. Ich hatte dieses Problem bei meiner vorderen Zapfwelle - diese war so stark korrodiert, dass durch die entstandenen Materialschäden ("Rostnarben") das Getriebeöl munter herausplätscherte!
Da hinter den Wellendichtringen oft Kugellager verbaut sind, möchte an dieser Stelle auch kurz auf die dort verbauten Sicherungsringe (auch Seegerringe nach der urprünglicher Herstellerfirma) eingehen. Die Sicherungsringe werden dazu verwendet, die Kugellager (oder andere Bauteile, z.B. Zahnräder) an ihrem Platz zu fixieren - sie sollen möglichst kein axiales Spiel aufweisen. Oftmals habe ich bemerkt, dass hier schlicht falsche Sicherungsringe verbaut sind - diese also nicht die passende Breite zur vorhandenen Nut aufweisen und/oder keine Vorspannung haben - sie sich also in der Nut drehen und nicht fest sitzen. Hier kann ich eigentlich nur dringend empfehlen, die im Ersatzteileverzeichnis angegebenen Sicherungsringe zu verwenden, um künftige Probleme möglichst zu vermeiden.
Für die Montage, aber auch Demontage sollten die passenden Zangen verwendet werden - dies schont nicht nur die Nerven, sondern vorallem auch die Sicherungsringe und die Wellen bzw. Bohrungen.





