Schrauben und Gewinde

Zustand von GewindebohrungenAm Einleitungsbild kann man gut erkennen, wie es um so manche Gewindebohrung bei unseren Oldtimern steht. Nicht nur total verrostet, sondern auch alles mögliche an Schmutz (die typische Mischung aus Öl, Erde, Fett und Lackresten) verkleben regelrecht die Gewindegänge.

Ich kann nur jederman dringend raten, jedes Gewinde - egal ob Bohrung oder Bolzen - gründlich zu reinigen. Bolzen, also normalerweise Schrauben, sind ja leicht zu ersetzen - bei den Bohrungen ist das nicht so leicht. Am besten zunächst mit einem Spray (z.B. WD 40 oder Multispray 1000) ordentlich ausspülen. Danach das Gewinde mit einem Gewindebohrer nachschneiden. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich da zwischen den Schneiden ansammelt.

Mein Rat: schneidet bei der Restaurierung jedes Gewinde nach - jedes! Ich habe es immer bereut, wenn ich es bei meinem Steyr 288 "vergessen" habe! Eine Schraubverbindung muss ohne größeren Kraftaufwand hergestellt werden können.

Gewindebohrungen nachgeschnittenSchrauben nachschneiden: was sich so alles im Gewinde versteckt

Da doch auch beim Steyr 288 bzw. bei jedem historischen Traktor unterschiedliche Schraubenarten verwendet werden, möchte ich an dieser Stelle ein paar "Spezialitäten" vorstellen. Besonders wichtig ist bei allen Schrauben auch die Festigkeitsklasse - diese wird im Artikel "Anziehmomente für Schrauben" näher behandelt. Schrauben können mit Gewinden bis zum Kopf ausgeführt werden oder - vorallem bei längeren Schrauben - auch mit Schaft. 

Bei normalen Stahl-Schrauben gibt es auch unterschiedliche Oberflächenvergütungen. Am häufigsten werden diese heutzutage zum Schutz vor Korrosion verzinkt. Früher wurden die Schrauben meist nur brüniert (vgl. "Oberflächenfinish"); brünierte Schrauben sind heute kaum noch zu kaufen. Dies bringt uns "Traktor-Verrückte" in ein kleines Dilemma! Oft müssen Schrauben (früher brüniert und überlackiert) ersetzt werden. Leider hält auf verzinkten Oberflächen Lack aber nur sehr schlecht.

Sechskantschrauben

Die am meisten verwendete Schraubenart ist sicherlich die Sechskantschraube. Wie der Name schon andeutet, hat diese Schraube eine Sechskantkopf zum Festziehen. Die Bezeichung erfolgt z.B. mit M10 x 40 - dabei bezeichnet "M10" den Gewindedurchmesser (also hier 10mm) des Bolzens, "40" die Länge des Gewindes in Millimeter (gemessen ohne dem Kopf). Ist keine weitere Angabe vorhanden, verfügt die Schraube über ein Regelgewinde (die Steigung des Gewindes in Millimeter je Umlauf).

SechskantschraubeSechskantschraube mit Schaft

Um die Schraube festzuziehen wird ein Schraubenschlüssel mit der passenden Schlüsselweite ("SW") in Millimeter benötigt.

Nachfolgend eine Übersicht der gebräuchlichsten Gewinde:

Schraubengewinde Steigung d.
  Regelgewindes 
[mm]
SW
 [mm] 
 M6 1,00  10 
 M8 1,25   13 
 M10 1,50  17 
 M12 1,75  19 
 M14 2,00  22 
 M16 2,00   24 

Innensechskantschrauben

Vorallem am Motor des Steyr 288 sind einige Innensechskantschrauben (oder Imbus- bzw. Zylinderschrauben) verbaut. Angetrieben wird die Schraube mit einem passenden Sechskantschlüssel oder einem Bit-Schraubendreher. Alternativ kann man auch mit einem Adapter Vierkant-Antriebe (z.B. Ratschen) nutzen.

Innensechskantschraube mit Schaft

Stiftschraube

Stiftschrauben kommen bei unseren "alten Herren" recht häufig vor. Diese haben keinen Schraubenkopf, sondern zwei, durch einen Steg getrennte Gewinde. Zur Montage wird zunächst der kürzere Teil per Hand eingedreht und dann mit einer Mutter am längeren Gewindestück fixiert. Wichtig ist, dass die Längenangabe der Schraube sich nur auf das längere Gewindestück zzgl. dem gewindelosen Schaft der Stiftschraube bezieht - also den nach dem Einschrauben der Stiftschraube herausstehenden Teil der Schraube bezeichnet.

Stiftschraube brüniert

Dehnschraube

An besonderen Stellen des Traktors werden sog. Dehnschrauben verbaut. Bekannt sind vorallem die Zylinderkopfschrauben, aber z.B. auch bei den Pleuelschrauben werden Dehnschrauben verwendet. Die Besonderheit bei diesen Schrauben ist, dass sie - korrekt angezogen - über die Dehngrenze des Stahls hinaus gestreckt werden. Gut erkennen kann man eine Dehnschraube an ihrem sich verjüngenden Schaft. Beim Festziehen einer Schraube wird diese (leicht) gedehnt. Überschreite man die Dehngrenze nicht, so "schrumpft" die Schraube beim Lösen wieder auf ihre ursprüngliche Länge. Überschreitet man die Grenze bleibt sie etwas länger. Warum das Ganze? Im Bereich (leicht) oberhalb der Dehngrenze wirkt die Schraub wie eine Feder - sie kann also Änderungen im Betrieb (z.B. hervorgerufen durch Temperaturschwankungen) besonders gut ausgleichen. Nachteilig ist, dass man Dehnschrauben üblicherweise nicht wieder verwenden sollte, da sie ja beim Verbauen bereits überstreckt wurden.

Zylinderkopfschraube (Dehnschraube) und Stehbolzen (alte Ausführung)Dehnschraube

Hohlschraube

Eine Besonderheit sind auch die "Hohlschrauben". Sie dienen dazu Flüssigkeit durch ihr Inneres weiter zu leiten und gleichzeitig eine feste Verbindung herzustellen. Hohlschrauben werden immer in Verbindung mit Ringnippeln (oder auch Ringösen) verwendet. Die Flüssigkeit - beim Steyr 288 in erster Linie Dieselkraftstoff und an einer Stelle Motoröl - fließt durch die Leitung in die Hohlschraube, durch die Bohrungen in der Hohlschraube dann weiter in den Ringnippel und im Anschluss in desse Leitung.

Hohlschraube und Ringnippel

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