Vor einiger Zeit konnte ich eine sehr günstige (€ 25.--) gebrauchte Wasserpumpe für meinen Steyr 288 kaufen. Meine Überlegungen gingen dahin, besser einmal mit einer (angeblich defekten,) zweiten Wasserpumpe zu experimentieren, als gleich die originale, zur Zeit noch verbaute, zu verwenden.
Auf den ersten Fotos kann man gut den Zustand der Wasserpumpe erkennen: die Anschlußstücke stark korrodiert, deutlicher Austritt von Schmierfett und natürlich mehrmals mit Farbe überblasen. Die Riemenscheibe ließ sich zwar noch drehen, allerdings entstanden dabei sehr interessante Schleifgeräusche im Inneren der Pumpe.
Erster Schritt ist das Zerlegen der Pumpe. Die Einzelteile der Pumpe halten "nur" durch Presspassungen (Ausnahme: der Abschlussdeckel) zusammen. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass diese Passungen vorallem bei alten Teilen "bombenfest" halten, da neben der ursprünglichen Presspassung noch jede Menge Rost und Gammel hinzu kommen.
Zunächst ist die Riemenscheibe zu entfernen - diese muss von der Achse abgezogen werden. Einen klassischen Abzieher habe ich nicht verwendet, da ich nicht glaube, dass der Rand der Riemenscheibe wo die Arme ansetzen, die auftretenden Kräfte aushalten würde. Anscheinend haben aber bereits die Konstrukteure in den 60er-Jahren an dieses Problem gedacht und das Gehäuse der Wasserpumpe entsprechend geplant! Es genügt durch die Befestigungsbohrungen für den Ventilator längere Schrauben einzudrehen - diese drücken auf das Gehäuse und pressen mit jeder Umdrehung mehr dagagen - dreht man die vier (4) Schrauben abwechselnd immer weiter ein, wird die Riemenscheibe nach vorne abgezogen.
Darunter offenbarte sich noch mehr Schmierfett. Wozu dieses irgendwann einmal aufgebracht wurde, kann ich mir nicht erklären. Die einzigen zu schmierenden Teile sind die beiden Kugellager (ursprünglich ohne Abdeckung) - diese sitzen aber natürlich auf der Welle - das Fett am Gehäuse dient zu nichts. Wahrscheinlich hat man versucht, ohne die Wasserpumpe zu zerlegen das Fett irgendwie zwischen Gehäuse und Riemenscheibe einzupressen - natürlich völlig nutzlos.
Nach der Demontage des Abschlußdeckels, kann man die Welle nach hinten mit einer Werkstatt-Presse herauspressen. Ist keine Presse vorhanden, kann man zum Zerlegen auch einen Hammer verwenden - meiner Erfahrung nach sind alle Teile, außer dem Laufrad, so korrodiert, dass sie nicht mehr zu verwenden sind - eine weiter Beschädigung fällt nicht ins Gewicht. Dabei sollte die Welle samt Laufrad, Distanzrohren, Dichtringen und dem inneren Kugellager aus dem Gehäuse austreten. Einzig das vordere Kugellager verbleibt im Gehäuse, da dieses mit zwei (2) Sicherungsringen arretiert ist. Eventuell könnte auch das zweite Lager im Gehäuse verbleiben, sofern die Passung zwischen Lager und Gehäuse stärker ist, als zwischen Lager und Welle.
Im Anschluss sind alle Einzelteile von der Welle abzumontieren bzw. das vordere Kugellager nach Entfernen des oberen Sicherungsrings (19) auspressen. Vorallem die Welle selbst und die beiden Distanzrohre waren bei mir stark korrodiert; die Kugellager ausgeschlagen und die verschiedenen Dichtungen porös bzw. teilweise zerfallen. Interessant ist die Konstruktion allemal - das erste Distanzrohr (7) hat einen anderen Außen- und Innendurchmesser als das zweite Rohr (11). Das erste ließ sich trotz des Rosts leicht bewegen, das zweite Distanzrohr war offensichtlich auf die Welle gepresst. Die Sinnhaftigkeit offenbarte sich mir erst nachdem ich mir überlegt habe, wie man die Pumpe später wieder zusammenbaut, damit alle Teile exakt an der korrekten Position sitzen!
Prinzipiell gibt es für die Wasserpumpe Reparaturkits aus den verschiedensten Quellen. Auf diese Kits wollte ich aus unterschiedlichen Gründen nicht zurück greifen: Zunächst erinnere ich an meinen Plan, möglichst viel selbst zu erledigen. Weiters fehlen bei manchen Kits offensichtlich Teile und über die Qualität der Kugellager wird nirgends etwas angegeben. Gerade die Kugellager scheinen in dieser Konstruktion aber eine wesentliche Rolle zu spielen - sie müssen eine hohe Qualität aufweisen, heute natürlich dauergeschmiert und gekapselt sein. Für mich also klar - selber machen ist angesagt!
Jetzt wird es ein wenig kompliziert: Urspünglich war in der Wasserpumpe nur eine Scheibe (9) und danach die Gleitringdichtung (10) zur Abdichtung zum Kugellager vorgesehen. Die Scheibe wird wohl bei einem gekapselten Kugellager nicht (mehr) nötig sein (diese war bei meiner Wasserpumpe nicht existent - entweder irgendwann nicht mehr eingebaut oder sie fiel dem Rost komplett zum Opfer). Dass dies vorallem das zweite Kugellager nicht wirklich vor dem Kühlwasser geschützt hat, ist offensichtlich, da der Gleitdichtring eben nur am Gleitring dichtet. Irgendwann wurde diesem Umstand Rechnung getragen und zusätzlich einen Radial-Wellendichtring (9) eingebaut (dieser war bei mir auch bereits inkludiert). An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass das bei mir verbaute Distanzrohr (11) eine Außendurchmesser von 27mm aufwies.
Wenn man nun aber bedenkt, dass die Gleitringdichtung für einen Wellendurchmesser von 27mm und der Radial-Wellendichtring für 26mm vorgesehen ist, wird klar: hier stimmt etwas nicht! Laut dem "Teileverzeichnis - Vierzylinder Diesel-Traktor Typ 288 und 290, 1. Auflage" wurde ab der Motornummer 3123 ein anderes Distanzrohr (11) und für den Typ 290 wieder ein anderes Teil verwendet. Die Unterschiede werden aber nicht beschrieben bzw. sind auf der Explosionszeichung nicht erkennbar.
So weit, so eigenartig! Warum wurde das zweite Distanzrohr (11) mit einer Presspassung auf die Welle geschoben? Meine Erkärung: es liegt am Zusammenbau! Zunächst setzt man den unteren Sicherungsring ein; dann das vordere Kugellager, bis es am eben gesetzten Sicherungsring ansteht. Danach das Kugellager mit dem oberen Sicherungsring fixieren. Das hintere Kugellager wird auf die Welle gepresst, bis es am Distanzrohr (11) ansteht. Vor das Kugellager wird das erste Distanzrohr (7) aufgeschoben. Wenn man nun die Welle in das Gehäuse einschiebt, verhindert das zweite Distanzrohr (11), dass ja durch die Presspassung fixiert ist, dass sich das hintere Kugellager verschiebt, wenn es das Gehäuse beginnt zu berühren. Das erste Distanzrohr (7) garantiert den korrekten Abstand der beiden Kugellager zueinander.
Nachdem nun fast alle Unklarheiten ausgeräumt sind, war für mich klar: es wird kein zweites Distanzrohr mehr geben. Die Welle wird so gedreht, dass die Funktion des zweiten Distanzrohr auf der Welle integriert ist. Dabei können auch gleich die unterschiedlichen Durchmesser für Gleitringdichtung und Radial-Wellendichtring berücksichtigt werden. Zu beachten ist natürlich, dass die Durchmesser der Welle, wo Riemenscheibe, Kugellager und Laufrad aufgepresst werden, die korrekten Toleranzen aufweisen! Für diejenigen, die sich auch selbst an der Drehmaschine versuchen wollen, hier die Werkzeichnung.
Die beschädigten Zu- und Abflußrohre (3, 4, 5) sind ebenfalls nur eingepresst und können mit Meißel und Hammer leicht entfernt werden. Neue Rohre können, wie auch die Dichtringe (6, 13) z.B. bei der Firma Deimel KFZ-Technik GmbH erworben werden. Das Gehäuse und die Riemenscheibe habe ich wie immer sandgestrahlt und im Anschluß pulverbeschichtet. Wer sich vielleicht fragt, warum die Riemenscheibe zwei Positionen für Riemen bietet - die eine ist bekanntlich für Kurbelwelle/Lichtmaschine, die andere für einen optionalen Kompressor für die Anhänger-Druckluftbremse.
Beim Einpressen der Welle sollte man den Radial-Wellendichtring ebenfalls gleich mit einführen. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass dieser nicht beim Übergang ins Gehäuse zurückgehalten wird, da er sonst auf den 27mm Durchmesser gleitet, wofür er nicht ausgelegt ist! Besondere Sorgfalt ist bei der Montage der Gleitringdichtung (diese erhält man z.B. im Lagerhaus und ist sicherlich das teuerste Ersatzteil der Pumpe) angebracht. Der Gleitring ist nicht dehnbar und bricht bei Überbelastung sofort - glaubt mir! Ich hab's probiert!
Danach wird das Laufrad und im Anschluss die Riemenscheibe aufgepresst. Zu guter Letzt wird der Dichtring (13) eingelegt und der Abschlußdeckel montiert.
Nachdem die Wasserpumpe fertrig zusammengebaut wurde, habe ich alle Abläufe mit Korken verschlossen, über den Zulauf Wasser eingefüllt und die Pumpe auf Dichtheit überprüft. Das Riemenrad der Wasserpumpe läßt sich nun wieder ohne Geräusche und leichtgängig drehen.














